Arduino Basics: Programmieren lernen mit Processing – ein Vorschlag

Warum zur Hölle sollte man denn um Arduino zu lernen Processing lernen anstatt Arduino zu lernen?

Dieser Ansatz ist ein Vorschlag, der mir sehr geholfen hat, mich erfolgreich an Arduino ranzutasten, ich möchte erklären wieso:

Wer Arduino lernen will findet dafür jede Menge guter Tutorials im Netz (Getting Started: Arduino), da es aber beim Arduino darum geht Dinge selbst entwickeln zu können wird man früher oder später an den Punkt gelangen sich außerhalb der  vorgefundenen Tutorials zu bewegen. Dafür hat man dann mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann man verschiedene Tutorialbestandteile zusammen packen und hoffen dass es klappt, oder man versucht zu verstehen, wie das alles funktioniert.

Um mit einem Arduino Umzugehen muss man sich mit 3 unterschiedlichen Dingen befassen:

Elektrotechnik (Zeug zusammenlöten, Bauteile auswählen)

Installation und Management von Software und Hardwaretreibern

Programmierung

Um nun wirklich unabhängig Arbeiten zu können sollte man alle Teilbereiche in groben Zügen verstehen.

 

Aber warum zur Hölle sollte man nun Processing lernen, wenn man doch Arduino lernen will?

Processing befasst sich erstmal nur mit Programmierung und Arduino mit Programmierung UND Elektrotechnik.

Wenn ich also ein Arduinoprojekt zusammenwurstle und dann funktioniert es nicht, dann weiß ich erstmal nicht woran das liegen kann. Nun gibt es bei der Fehleranalyse ein unschlagbares Prinzip: das Ausschlussverfahren; Alles voneinander zu isolieren um herauszufinden wo genau das Problem liegt. Man stelle sich vor: Mein Stuhl wackelt, aber warum? Ist es der Stuhl oder der Boden? Nun kann ich den Stuhl nehmen und ihn auf eine Fläche stellen, von der ich sicher weiß, dass sie eben ist. Wackelt er dort nicht, weiß ich, es muss der Boden sein. Genau so kann ich mit meinem Arduinoprojekt verfahren. Wenn die LED, die ich angeschlossen habe einfach nicht zum Rhytmus der Musik blinkt, kann es sein, dass die LED kaputt ist, oder meine Verdrahtung ist falsch, meine Lötstellen sind kaputt, oder ich habe einfach Quatsch programmiert. Also, LED austauschen, alles nochmal Löten. Geht immer noch nicht? Vielleicht ist die neue LED auch kaputt? Oder ist mein Arduino nicht richtig angeschlossen? Oder doch die Programmierung? Wie könnte ich die Programmierung überprüfen ohne einen mit Sicherheit funktionierenden Hardwareaufbau zu haben?

Aha! Indem ich mir eine Programmierumgebung suche, die mir direkt Feedback innerhalb der Software gibt!

Und genau da kommt Processing ins Spiel. Processing ist eine Programmiersprache, die für einfaches Erlernen ausgelegt ist und dafür optimiert ist visuellen Output zu generieren. Und das schöne ist, Processing und Arduino sind Geschwister. Die Prinzipien sind gleich, der Programmablauf ist gleich und die Grundfunktionen sind dieselben. Unterschiede bestehen zwar, allerdings sind diese logisch einfach nachvollziehbar und zum Programmieren lernen erstmal vernachlässigbar.

Schauen wir uns die beiden Umgebungen einmal an sehen wir schnell, dass beide sehr ähnlich aussehen. Die Hauptunterschiede sind, dass man bei Arduino void loop() schreibt und in Processing void draw(), was aber für den Programmablauf genau dasselbe bedeutet. Der zweite wichtige Unterschied ist, dass man bei Arduino einen Upload Button hat und bei Processing einen Play Button. Beide haben eine ähnliche Funktion. Arduino lädt das Programm auf das angeschlossene Board, Processing startet das geschriebene Programm.

arduinomitprocessing

In Processing gibt es zusätzlich zu den Grundfunktionen ein paar einfache Möglichkeiten visuellen Output zu generieren. Zum Beispiel würde die Zeile

rect(20,20,40,40);

folgende Ausgabe produzieren:

processing_1

Somit sind wir in der Lage unseren LED-Blinke Code zu überprüfen in dem wir anstatt eine LED an und auszuschalten einfach ein Rechteck blinken lassen. Wenn das funktioniert ist die Programmierung korrekt, kann zurück übertragen werden und wir wissen, dass irgendetwas mit unserem Hardware Setup nicht stimmt. Natürlich wird dieses Vorgehen umso nützlicher, je komplexer die Programmierung ist, die unser Projekt benötigt.

Darüber hinaus lassen sich Prinzipien wie if-Abfragen, for-Schleifen und viele weitere grundlegende Programmier-Prinzipien sehr leicht mit Processing verstehen und erlernen, weil man sich hier wieder auf die Prinzipien selbst konzentrieren kann und nicht mit Löten und Breadboarden beschäftigt ist. Hinzu kommt noch, dass Processing selbst natürlich auch unabhängig von Arduino genutzt werden kann um Muster als Vorlagen für Lasercutten zu generieren, oder um damit die Daten anzeigen zu lassen, die mein Arduinosensor sammelt, oder direkt mit Grasshopper interagieren kann um fancypants-3D Daten zu erstellen, oder, oder, oder.

Und um Processing zu lernen gibt es Unmengen an Tutorials, z.B. die von Daniel Schiffman, dem hinreißendsten Nerd der Welt:

http://hello.processing.org/

Oder natürlich den Processing Tutor, der jeden Mittwoch von 16:30 bis 18:30 im OPL sitzt und momentan seine Zeit damit verbringt Blogeinträge zu schreiben, weil niemand da ist 😉

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